Berliner Kongresse - Quintessenz Verlag

29. Berliner Zahnärztetag

"Parodontologie - Konzepte auf dem Prüfstand"

Wissenschaftliche Leitung:
PD Dr. Stefan Fickl, Dr. Peter Purucker
Freitag, 17.04.2015
Vorkongresskurs
09:00-12:00
The Coronally advanced flap with or without connective tissue graft

Connective tissue graft and substitute materials

Treatment of buccal soft tissue defect around implants

Treatment of multiple gingival recessions in patients with esthetic demands
09:00-12:00
Martin Evers
Der Weg in die eigene Praxis, Deutsche Apotheker- und Ärztebank
09:00-12:00
In der Parodontologie sind in den letzten Jahren neue Behandlungskonzepte entstanden. Besonders im Bereich der regenerativen Therapie und der rekonstruktiven Parodontalchirurgie sind moderne Behandlungsstrategien Aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse und verbesserter Materialeigenschaften entwickelt worden. Durch diese neuen Materialien und Techniken können Parodontaldefekte und andere Knochendefekte dauerhaft rekonstruiert werden, um optimale und ästhetische Behandlungsergebnisse zu erzielen.
Sie lernen welche modernen Strategien stehen heute zur Rekonstruktion und Regeneration parodontaler Defekte zur Verfügung. Wir zeigen Ihnen, wie mit neuesten Techniken die Parodontaldefekte und andere Knochendefekte rekonstruiert und regeneriert werden können.
Eröffnung und Einführung (Saal Maritim)
13:00-13:30
Dr. Wolfgang Schmiedel, Dr. Jörg-Peter Husemann, Johannes W. Wolters
Eröffnung
13:30-13:45
PD Dr. Stefan Fickl, Dr. Peter Purucker
Einführung in das Kongressthema 
Einführung und Darstellung des Kongresskonzeptes
I Die klassische Parodontaltherapie (Saal Maritim)
13:45-14:30
Traditionelle parodontale Therapieansätze begrenzen die nichtchirurgische Parodontaltherapie auf Erkrankungsfälle mit Taschensondierungstiefen ≤ 5 mm. Hintergrund hierfür ist die durch Studien belegte Tatsache, dass subgingivaler Zahnstein nur bis zu einer Taschentiefe von 5 mm noch annähernd vollständig entfernt werden kann. Die Einschätzung der Bedeutung belassener subgingivaler Zahnsteinreste für die weitere Progression parodontaler Erkrankungen hat jedoch basierend auf einer Vielzahl klinisch-experimenteller Studien und dem daraus resultierenden verbesserten ätiologischen Verständnis in den vergangenen Jahren einen grundlegenden Wandel erfahren. Nach aktueller Evidenz stellt daher auch bei schweren parodontalen Erkrankungen mit multiplen Taschensondierungstiefen ≥ 5 mm die nichtchirurgische, antiinfektöse Parodontaltherapie die üblicherweise anzuwendende primäre Basisintervention dar, die nur nachfolgend, falls erforderlich, durch lokal begrenzte parodontalchirurgische Eingriffe ergänzt wird. Fallbeispiele werden dargestellt.
14:30-15:15
Die nicht-chirurgische Instrumentierung der erkrankten Parodontien steht am Anfang einer systematischen Parodontitistherapie. Den Geweben sollte Zeit für die Wundheilung gegeben werden. Ist die Reduktion der Sondierungstiefen nicht ausreichend (<6mm), sind weiterführende Maßnahmen erforderlich um parodontale Stabilität zu erzielen.
Hier hat die Parodontalchirurgie ihren festen Platz im Armamentarium des Therapeuten. Für den Front- und Seitenzahnbereich stehen unterschiedliche Techniken zur Verfügung. Diese sind verbunden mit dem Entscheid für resektive oder regenerative Verfahren. Molaren mit Furkationsbeteiligung haben ein erhöhtes Risiko für frühzeitigen Zahnverlust. Bekannt ist, dass Molaren weniger gut auf eine nicht-chirurgische Parodontitistherapie oder regenerative Verfahren reagieren. In erster Linie kommen daher resektive Techniken in Betracht. Regenerative Verfahren sind bei einwurzeligen Zähnen gut erprobt. Sie sind aber nur in bestimmten Situationen erfolgversprechend. Patientenselektion und eine genaue Analyse der Defektmorphologie sind wichtige Parameter für den Therapieerfolg.
Der Vortrag bietet vor dem Hintergrund aktueller diagnostischer und parodontal-chirurgischer Techniken eine Entscheidungshilfe für (oder gegen) parodontal-chirurgische Techniken im Front- und Seitenzahnbereich.
15:15-16:00
Pause
16:00-16:45
PD Dr. Dr. Markus Schlee
Parodontaltherapie - eher radikal? 
Dem Hype regenerativer Parodontaltherapie folgte Ernüchterung. In der Folge wurde die Problematik mit Titan beantwortet. Vergleicht man die Erfolgsraten beider Herangehensweisen, scheint vieles für das Implantat zu sprechen. Kammdefekte lassen sich ohne Zahn viel zuverlässiger und vorhersagbarer therapieren, zudem mit positiven Folgen für die Ästhetik. Extrahiert man einen oberen Molaren mit einer Furkation der Klasse 3 wird der Knochendefekt in der Regel spontan regenerieren und das später gesetzte Implantat steht wieder in ausreichendem Knochenvolumen. Aber wie sieht es mit den Langzeitdaten aus? Ist das Implantat wirklich der bessere Zahn? Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Parodontalpatient ein Periimplantitispatient werden wird?
In dem Vortrag soll anhand aktueller Literatur und von Fallbeispielen Grenzfindung beider Therapiekonzepte erarbeitet werden. Ein klarer Therapiebaum wird als Entscheidungshilfe aufgezeigt.
16:45-17:30
Ziel dieser interaktiver Diskussionsrunde ist es, mit den Referenten der vorhergehenden Session Fälle zu diskutieren und kritisch zu analysieren. Gerade im Bereich der klassischen Parodontitistherapie existieren unterschiedliche Konzepte (nicht-chirurgisch, chirurgisch, radikal), die aber alle das Ziel haben, langfristig Entzündungen zu eliminieren und die Kaufunktion zu stabilisieren.
17:30-22:00
Dr. Wolfgang Schmiedel
Verleihung der Ewald-Harndt-Medaille, im Anschluss Get Together bis ca. 22 Uhr
Samstag, 18.04.2015
II Perio-prothetische Behandlungskonzepte (Saal Maritim)
09:00-09:45
Eine der größten Herausforderungen in der Zahnheilkunde stellen ästhetisch und funktionell erfolgreiche Rekonstruktionen verlorener weich- und hartgewebiger Strukturen beim stark parodontal kompromittierten Patienten dar. Zur Wiederherstellung der verloren gegangenen Gewebe stehen unterschiedlichste Therapieoptionen zur Verfügung, die zum einen in rein prothetische Maßnahmen und zum anderen in kombiniert plastisch - parodontal - chirurgische und prothetische Maßnahmen untergliedert werden können. Der Vortrag soll hierzu einen Überblick über die zur Verfügung stehenden perio - prothetischen Therapieansätze und deren individuelle Umsetzung geben sowie die Vor- und Nachteile der einzelnen Optionen beleuchten.
09:45-10:30
Implantate haben sich zu einem wichtigen Therapieverfahren in der Zahnheilkunde entwickelt. Zwar haben sich auf der einen Seite Therapiekonzepte zum Erhalt von schwer parodontal vorgeschädigten Zähnen signifikant verbessert, auf der anderen Seite existieren immer noch Indikationen, bei denen Zähne extrahiert werden müssen und durch Implantate ersetzt werden. In diesem Zusammenhang stellt sich die Frage, ob Implantate auch beim parodontal vorgeschädigten Patienten eine gute und langfristig stabile Prognose haben. Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen hier klar auf, dass diese Patienten ein leicht höheres Risiko haben, an peri-implantären Entzündungen zu erkranken als Patienten ohne parodontale Vorgeschichte. Ziel dieses Vortrages ist das Aufzeigen eines Konzeptes zur Implantatversorgung von parodontal vorgeschädigten Patienten.
10:30-11:15
Pause
11:15-12:00
Obwohl die Krankheitsbilder der Periimplantitis und Parodontitis zwei unterschiedliche Krankheitsbilder bezüglich der bakteriellen Entzündungsformation um das Implantat bzw. des nativen Zahnapparates beschreiben, weisen sie nichtsdestotrotz etwaige Gemeinsamkeiten in der Risikostruktur auf. So können beispielsweise schlechte Mundhygiene, Tabakkonsum, metabolische Grunderkrankungen oder Immunsuppression zur bakteriellen Plaqueakkumulation führen, was wiederum zur Zerstörung des Weich- und Hartgewebes um den Zahn bzw. das Implantat führen kann. Somit stellt sich die Frage, unter welchen Bedingungen eine Implantatversorgung bei Parodontitiden möglich ist oder durchgeführt werden sollte. In diesem Vortrag werden Ansätze aus aktuellen Studienergebnissen aufgezeigt, welche diese Problemstellung näher darstellen.
12:00-12:45
Ziel dieser interaktiver Diskussionsrunde ist es, mit den Referenten der vorhergehenden Session Fälle zu diskutieren und kritisch zu analysieren. Die Perio-Prothetik ist beim parodontal vorgeschädigten Patienten einer der wichtigsten Bereiche für die alltägliche Klinik, denn hier spielt die Prognose von Zähnen für prothetische Rekonstruktionen eine ganz entscheidende Rolle.
12:45-14:00
Pause
III Plastische Parodontal- und Implantatchirurgie (Saal Maritim)
14:00-14:45
Ästhetische Behandlungsergebnisse sind für unsere Patienten, und damit auch für unseren Praxiserfolg, heutzutage von enormer Bedeutung. Die chirurgische Therapie von mukogingivalen Problemen, insbesondere Deckung von Rezessionen, ist ein integraler Bestandteil der dentalen Ästhetik, da wir oftmals nur durch adäquaten Weichgewebsaufbau das gewünschte Ergebnis erzielen können. Rezessionsdeckungen sind mit verschiedenen Techniken möglich, die je nach der individuellen klinischen Situation angewendet werden sollten. Zu vielen Techniken existieren wissenschaftliche Kurz- und Langzeitstudien, die die Effektivität nachgewiesen haben, so dass man von evidenz-basierten Therapien reden kann. Rezessionsdeckungen sind daher in Zukunft sicher von wachsender Relevanz, zumal sie prinzipiell sehr gut in der Zahnarztpraxis durchgeführt werden können. Im Vortrag sollen die wesentlichen Techniken zur Rezessionsdeckung anhand klinischer Fälle mit Vor- und Nachteilen dargestellt und die Anwendung am Patienten mit den aktuellen wissenschaftlichen Daten verglichen werden.
14:45-15:30
Parodontale Rezessionen stellen heute für viele Patienten ein ästhetisches Problem dar und können zu Überempfindlichkeiten und Wurzelkaries führen. Bei der operativen Behandlung von parodontalen Rezessionen gilt heute die Transplantation von autologem Bindegewebe aus dem Gaumen in Kombination mit gestielten Verschiebelappen nach wie vor als Goldstandard. Nachteile der Bindegewebstransplantate sind jedoch die Notwendigkeit eines Zweiteingriffs zur Transplantatgewinnung aus dem Gaumen und die damit verbundene Entnahmemorbidität, sowie die limitierte Verfügbarkeit des Donorgewebes. Eine mögliche Alternative zum autologen Bindegewebstransplantat stellt heute der Einsatz porciner azellulärer dermaler Kollagenmatrizes dar. Im Vortrag wird anhand klinischer Fallbeispiele die Anwendung von porcinen dermalen Matrizes im Rahmen der Rezessionsdeckung dargestellt. Des Weiteren werden Vor- und Nachteile sowie mögliche Limitationen dieser neuartigen Kollagenmatrizes kritisch diskutiert.
15:30-16:15
Pause
16:15-17:00
Zu Recht haben unsere Patienten einen Anspruch auf das bestmögliche Ergebnis, leider ist dieses bestmögliche Ergebnis nicht immer das ideale Resultat.

Vor allem bei der Therapie mit Implantaten kommen wir je nach Erwartungshaltung und Ausgangssituation schnell an unsere Grenzen. Es ist einfach schwierig den gesunden natürlichen Zahn mit einem Implantat gleichwertig oder besser fast gleichwertig zu ersetzen.

Im Laufe der letzten Jahre haben wir unser chirurgisch-prothetisches Vorgehen nach folgenden Gesichtspunkten ausgerichtet:

1. Wenn möglich Hart- und Weichgewebe durch ein entsprechen minimal invasives Vorgehen erhalten. SOFORTIMPLANTATION
2. Mikrochirurgisches arbeiten und möglichst viele Schritte auf einmal durchführen, das heißt paralleles augmentieren von Hart - und Weichgewebe am besten in Kombination mit dem Implantat. Das OP Gebiet wird nicht besser wenn mehrmals geschnitten wird.
3. Häufige Verwendung von Gingivatransplantaten.
4. Tunnel und Spaltlappen Techniken.
5. Erkennen von Grenzen und einen genaue ästhetische Analyse im Sinne eines präzisen "backward plannings".
6. So einfach wie möglich und so komplex wie nötig.
7. Prothetische Lösungen wie rosa Keramik als Gingiva-Ersatz nicht vergessen.

Jeder Fall ist anders und jeder Fall hat seine eigene ideale Lösungsmöglichkeit (mindestens eine). Entscheidend ist oft die richtige Planung bzw. die richtige spontane Entscheidung in der OP. In dem Vortrag werden verschiedene Indikationen und Ihr Lösungsansatz/Lösungsversuch gezeigt. Komplex ist es immer wenn wir uns mit einem Skalpell an die Front wagen. Erfolg werden wir nur dann haben wenn wir Chirurgie und Prothetik verbinden, d.h. unter anderem wenn chirurgisches "know how" auf prothetisches trifft und das dann über die Zahntechnik optimiert wird.
17:00-17:45
Ziel dieser interaktiver Diskussionsrunde ist es, mit den Referenten der vorhergehenden Session Fälle zu diskutieren und kritisch zu analysieren. Die plastische Parodontal- und Implantatchirurgie ist gerade im Frontzahnbereich von enormer Wichtigkeit zur Verbesserung der funktionellen und ästhetischen Situation um Zähne und Implantate.
Ort:
Maritim Hotel Berlin
Stauffenbergstraße 26
10785 Berlin
Deutschland
Tel.: 030 20650
Quintessenz Verlags-GmbH  ·  Ifenpfad 2-4  ·  12107 Berlin  ·  Tel.: 030/76180-5  ·  E-Mail: info@quintessenz.de